Wie die Juden 1947 die UNO für ihren Staat gewannen und wie die Araber sich durch ihren unnachgiebigen „Alles-oder-Nichts“-Kurs selbst um einen eigenen Staat brachten.  

Von Karl Pfeifer

Während der arabischen Revolte zwischen 1936 und 1939 verloren 4.000 Menschen das Leben, der jüdische Aufstand bis zum April 1947 forderte im Vergleich dazu nur 270 Todesopfer, trotzdem beschlossen die Briten das Mandat niederzulegen und es in die Hand der noch jungen Vereinten Nationen zu legen.

Die damals im Lande lebenden Juden jubelten als bei den britischen Wahlen im Juli 1945 die Labourpartei die Mehrheit erhielt. Denn diese trat nicht nur für die Schaffung eines jüdischen Staates ein, sondern befürwortete auch den „freiwilligen Transfer“ der Araber nach Transjordanien.
Es folgte eine bittere Enttäuschung. Großbritannien hielt fest an den Einwanderungsbeschränkungen und versuchte die illegale jüdische Einwanderung mit seiner gesamten militärischen Macht zu unterbinden. Darauf reagierte der Jischuv mit Anschlägen auf britische Zivil- und Militäreinrichtungen, auf Brücken, Eisenbahnlinien und Hafenanlagen. Großbritannien zog erneut 80.000 Mann zusammen, um den jüdischen Widerstand niederzuschlagen.

Dazu kam im Winter 1946/47 eine schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise. Außenminister Bevin erklärte am 25. Februar 1947, das Palästinaproblem an die neugegründeten Vereinten Nationen zu übergeben. Am 28. April wurde aus den Vertretern von 11 Mitgliedstaaten UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine) gebildet, das sich am 26. Mai 1947 in New York traf und am 15. Juni 1947 ins Heilige Land kam. Drei Tage später traf sich die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem, um über eine aktive Initiative für die Teilung des Landes (für einen „lebensfähigen Staat“) zu diskutieren. Lange hatte es gedauert bis die gewählten Repräsentanten des Jischuv bereit waren auf ihre Forderung, das ganze Land unter jüdische Verwaltung zu stellen, zu verzichten.

UNSCOP übermittelte der Generalversammlung der UNO am 31. August einen Bericht, mit dem die Mehrheit von sieben Mitgliedern sich für eine zionistische Lösung aussprach. Sie empfahlen das britische Mandat zu beenden und die Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates. Dem jüdischen Staat sollten 62 Prozent des Landes westlich vom Jordan gehören (Nach Abzug von Jerusalem und Umgebung, die von der UNO kontrolliert werden sollten), obwohl demografisch fast doppelt viel Araber im Land wohnten wie Juden. Zweifelsohne hat diese eindeutige Stellungnahme den Teilungsbeschluss der Generalversammlung am 29. November 1947 gefördert.

Die Archive geben heute Dokumente frei, die aufzeigen, wie schwierig es der UNSCOP gefallen ist, diese Entscheidung zu treffen und welche Einwände einige Mitglieder bis zum letzten Moment gebracht haben.

Der junge Staat rechnete schon die zukünftige Bevölkerung mit ein
Die zionistische Führung machte in einer informellen geheimen Sitzung am 14. Juli klar, dass sie einer Teilung nur dann zustimmen würde, wenn das Territorium des Staates einen großen Teil der Juden aus der Diaspora aufnehmen kann.
Bereits seit 1937 gab es eine interne zionistische Diskussion, die vom Bericht der Peel-Kommission ausgelöst wurde, der eine Teilung in einen jüdischen Staat mit 20 Prozent des Landes westlich des Jordans, einen arabischen Staat und einen britisch kontrollierten Korridor zwischen Jerusalem und Jaffa vorsah. Noch 1938 hatte die Mehrheit der Jewish Agency einen Teilungsplan ausgearbeitet, doch die Briten unterstützten die Teilung nicht mehr. Die arabischen Proteste dagegen und die geänderte Situation in Europa trugen mit dazu bei, die britische Nahostpolitik radikal zu ändern. Sie gaben im Mai 1939 das Weißbuch heraus, das u.a. eine radikale Einschränkung der jüdischen Einwanderung vorsah. Zwar überlegten die Briten 1943 und 1944 verschiedene Versionen einer Teilung, aber erst nach Ende des Krieges kam eine endgültige Entscheidung.

Die Briten hielten zu den Arabern, die Amerikaner zu den Juden
Der Holocaust führte dazu, dass die zionistische Führung zunächst jeden Kompromiss ablehnte. Neu war die amerikanische Stellungnahme 1945, als Präsident Truman die Briten aufforderte sofort die Einwanderung von 100.000 Juden zu ermöglichen. Die Briten, die auf der arabischen Seite waren, jedoch auch die Amerikaner nicht verärgern wollten, schlugen eine anglo-amerikanische Untersuchungskommission vor. Chaim Weizmann und David Ben Gurion fanden den Weg zu den beiden prozionistischen Kommissionsmitgliedern (der Engländer Richard Crossman und der Amerikaner Bartley Crum) und teilten diesen mit, sie würden das Prinzip der Teilung akzeptieren. Die Kommission schlug vor 100.000 jüdische Überlebende einwandern zu lassen, doch die Briten stimmten nicht zu und übergaben die Angelegenheit UNSCOP.

Das Arab Higher Committee (AHC), die Führung der palästinensischen Araber unter dem Mufti Amin Husseini erklärte, die UNO solle doch in ganz Palästina einen arabischen Staat etablieren und boykottierten UNSCOP. Sie hielten zu Kompromissen bereite Araber ab, vor diesem Komitee auszusagen. Die Briten machten keinerlei Vorschläge und schwiegen sich aus.
UNSCOP besuchte jüdische Dörfer und Städte und jüdische Institutionen, wo sie mit Respekt empfangen wurden. Sie trafen auch einen Überlebenden, der seine ganze Familie im Holocaust verloren hatte und in einem Kibbuz ein Heim fand. All dies hat einen starken Eindruck auf die Komiteemitglieder gemacht, die sahen, dass der Jischuv der Kern eines zu entstehenden jüdischen Staates sein könnte.

Araber primitiver als die Juden
UNSCOP verglich die Errungenschaften der Juden mit der Lage des arabischen Sektors und folgerte, dass diese nicht reif seien sich selbst zu verwalten. Der Vertreter Australiens sprach auch mit Arabern und berichtete seiner Regierung „die rassistische Feindschaft [gegen die Juden] ist stark, die Situation ist gefährlich und nicht lösbar“. (…)