Die Geschichte der vertriebenen sephardischen Juden an der Waterkant  

November 3, 2017 – 14 Heshvan 5778
Der Erfolg der portugiesischen Juden in Hamburg

Von Tal Leder

Während der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 und aus Portugal 1496/97 wird der Sultan des Osmanischen Reiches, Bayezid II., in einem Dokument zitiert, bei dem er sich über dieses Ereignis wundert: „Die Spanier müssen verrückt sein, die werfen ihre besten Leute aus dem Land. In meinem Reich sind sie jederzeit willkommen.“

Nach der endgültigen Rückeroberung der Iberischen Halbinsel („Reconquista“) durch christliche Reiche zum Ende des 15. Jahrhunderts, standen die Juden in Spanien vor der Alternative zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. Nach Inkrafttreten des sogenannten Alhambra-Edikts vom 31. Juli 1492, welches Ferdinand II. und Isabella I. von Kastilien unterzeichneten, wurden zwischen 120.000 und 150.000 Juden aus Spanien ausgewiesen. Ihr gesamtes Hab und Gut mussten sie der neuen katholischen Regierung überlassen.

Daraufhin ließ Sultan Bayezid II. ein Dekret veröffentlichen, in dem die Juden willkommen geheißen wurden. Folglich wanderte eine enorme Anzahl an Sepharden (hebräisch für „Spanier“) ins Osmanische Reich aus. Nachdem bereits in der Antike die sogenannten „romanitischen Juden“ in Griechenland und Vorderasien lebten, kamen nun zu den bereits existierenden jüdischen Gemeinden in Sofia, Saloniki, Konstantinopel, Tunis, Tripolis, Aleppo, Jerusalem, Safed und Alexandria, noch Tausende von der Iberischen Halbinsel hinzu.

Diese Sepharden waren meistens intellektuelle und gut gebildete Neueinwanderer. In Spanien und Portugal genossen sie in den letzten Jahrhunderten, vor allem unter arabischer Herrschaft, einen Sonderstatus und gelangten oft zu Macht und Wohlstand. Viele waren im Bankenwesen tätig. Andere wiederum arbeiteten als Wissenschaftler, Theologen oder als wichtige Geschäftsleute. Ihr Wissen brachten sie in die neue Heimat mit.

Da diese Juden als Nichtmuslime bei Zahlung einer Sondersteuer „Schutzbefohlene“ („Dhimmis“) des Sultans waren, gab es im Osmanisch-Türkischen Reich kaum antisemitische Pogrome. Ganz im Gegensatz zu ihren aschkenasischen Brüdern in den christlich-europäischen Regionen konnten diese Juden also ein relativ sicheres Leben führen.

Die älteste Synagoge Amerikas steht in Holland
Doch nicht alle Sepharden folgten dem Ruf des Sultans. Viele gingen auch nach Italien, oder sogar in die Neue Welt, auf den amerikanischen Kontinent, wo sie u. a. auf Curacao die noch heute älteste erhaltene Synagoge in Amerika bauten.

Andere wiederum zog es eher weiter in den Norden. Manche fanden in Antwerpen oder Amsterdam eine neue Heimat, andere gingen nach London, oder gründeten sogar jüdische Gemeinden in Litauen oder Polen, wie im südöstlichen Zamość.

Doch seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde auch Hamburg ein wichtiges Zentrum der portugiesischen Juden. Sie wurden zunächst zu den Katholiken gerechnet, bevor sie sich offen zu ihrem Glauben bekannten. Zwar lebten schon viele ihrer aschkenasische Glaubensbrüder in der Hansestadt, doch hatten diese – in Abgrenzung zu den portugiesischen Juden – später „hochdeutsche Juden“ genannten zunächst keine eigene Gemeinde und waren rechtlich schlechtergestellt als die Sepharden.

Ungefähr ab 1590 gab es in Hamburg eine portugiesische jüdische Gemeinde. Neben ihrer Muttersprache beherrschten sie auch das Judeoespanol (auch „Ladino“ genannt), sowie Spanisch und Hebräisch.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts, als Hamburg immer mehr zu einem Handelsplatz für englische und niederländische Kaufleute wurde und zudem viele Glaubensflüchtlinge in der Hansestadt Zuflucht fanden, waren die Juden von der Iberischen Halbinsel die Ersten, die sich in der protestantischen Hafenstadt dauerhaft niederlassen durften. Ihnen folgten nach dem Ablauf des Waffenstillstands zwischen Spanien und den Niederlanden im Jahre 1621 weitere Sepharden aus Amsterdam.

Obwohl die Stadt von den „Portugiesen“ sehr profitierte, gab es vonseiten der christlichen Gesellschaft trotzdem eine feindliche Haltung ihnen gegenüber. Die Ratsherren wollten sie vor allem als eine Gruppe ausländischer Kaufleute betrachten, die die internationalen Handelsbeziehungen Hamburgs stärkten und ihre portugiesische Nationalität betonten.

Unter der Bedingung, dass sie sich gehorsam verhielten und alle – auch die finanziellen – Verpflichtungen erfüllten, sollten die Sepharden das Aufenthaltsrecht in der Stadt erhalten, Gewissensfreiheit genießen und von der Obrigkeit geschützt werden. Sie blieben aber weiterhin Fremde, denen der Rat nur für die Geltungsdauer des Kontraktes seinen Schutz gewährte. (…)

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